Mid-Season All-Rookie Defense 2020

Während die offensive Rookie-Klasse bereits früh ihrem Hype gerecht wurde, haben die meisten defensiven Talente noch viel Luft nach oben. Besonders in der Front sind die Leistungen vieler Rookies noch recht ernüchternd.

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Die Verkürzung des Trainings in der Off-Season machte allen Rookies zu schaffen. Für die Defense ist dieser Effekt jedoch verstärkt. Schlechte Abstimmung sorgte in den ersten Wochen für viele Coverage Busts. Zudem müssen sich insbesondere Defensive Backs auf große Unterschiede bei den Regeln zwischen College und der NFL einstellen. Doch auch unabhängig von diesen Faktoren ist ein deutlicher Qualitätsunterschied zwischen Offense und Defense im aktuellen Jahrgang zu erkennen.

Defensive End: Chase Young (Washington)

Vor der Saison waren sich fast alle einig: Chase Young war das beste defensive Talent im vergangenen Draft. Auf dem Consensus Big Board von The Athletic Autor Arif Hasan belegte er sogar den ersten Platz. Auch wenn seine Zahlen im Box Score noch ziemlich unspektakulär sind, hat Young bis jetzt überzeugt. Seine Leistungen im Pass-Rush und gegen den Lauf sind gleichermaßen gut. Mit 79,9 hat er zudem die höchste Bewertung aller defensiven Rookies bei Pro Football Focus.

Defensive End: D.J. Wonnum (Vikings)

Die Auswahl von D.J. Wonnum in die All-Rookie Defense sagt eigentlich wenig über die Leistung des Viertrundenpicks der Vikings aus. Vielmehr ist sie ein Ausdruck der fehlenden Qualität innerhalb der Defensive End Klasse: Lediglich drei erreichten überhaupt den festgelegten Mindestwert von 200 Snaps in den ersten neun Wochen. Wonnum kam bei den Vikings bisher als Rotationsspieler zum Einsatz. Durch den Ngakoue Trade wurde seine Rolle nach der Bye Week größer. Gelegentlich blitzt sein Talent in einigen Spielzügen auf. Konstant kann er das aber noch nicht abrufen. Sein bisheriges Highlight war der Strip Sack gegen Aaron Rodgers, welcher beim Überraschungssieg der Vikings in Green Bay das Spiel beendete.

Nose Tackle: Derrick Brown (Panthers)

Derrick Brown war im Draft-Prozess nach seinem verkorksten Auftritt beim Scouting Combine ein kontrovers diskutierter Spieler. Besonders sein Potenzial als Pass-Rusher wurde wegen athletischer Limitierungen in Frage gestellt. In jenem Bereich sind seine ersten Ansätze bisher allerdings vielversprechend. Kein Interior Defensive Line Rookie hat bisher mehr Pressures als Brown (13). Allerdings schwächelt er gegen den Lauf, besonders gegen Double-Teams sieht er bisher schlecht aus.

Three-Technique Defensive Tackle: DaVon Hamilton (Jaguars)

Diese Auswahl dürfte überraschen. Die meisten hätten hier wohl 49ers Rookie Javon Kinlaw erwartet. Zudem wurde Hamilton im Draft eher als Nose Tackle gesehen. Auf dieser Position spielte er jedoch nur 27 seiner 285 Snaps. Seine Leistung war besonders in den letzten Wochen vielversprechend. Hamilton hat die höchste Pressure-Rate aller Interior Defensive Linemen seines Jahrgangs. Alleine in den letzten beiden Spielen gelangen ihm sieben Quarterback Pressures.

Linebacker: Patrick Queen (Ravens)

Die Klasse der Linebacker ist bisher eine große Enttäuschung. Besonders die diesjährigen Erstrundenpicks bleiben klar unter den Erwartungen. Das gilt auch für Patrick Queen. Gegen den Lauf spielt er deutlich zu undiszipliniert. Zudem sind 14 verpasste Tackles sogar bei den Rookies ein trauriger Höchstwert. In Coverage wirkt Queen ebenfalls überfordert. Gefährlich ist er dafür als Pass-Rusher. In der ersten Saisonhälfte kommt der Erstrundenpick der Ravens auf den elftbesten Wert (von 56 Linebackern) bezüglich Pass-Rushing Productivity laut PFF. Die blitzlastige Defense in Baltimore kommt ihm stark entgegen.

Linebacker: Mykal Walker (Falcons)

Ähnlich wie Patrick Queen ist auch Mykal Walker scheinbar ein Spezialist. Gegen den Lauf und als Pass-Rusher agierte Walker durchwachsen. Seine Stärken liegen hingegen in Coverage. Mit seiner 76,0 Coverage Grade liegt der Viertrundenpick der Atlanta Falcons deutlich vor seinen Jahrgangsgenossen.

Slot Cornerback: Jeff Gladney (Vikings)

Wie der Rest der Secondary in Minnesota hatte auch Gladney einen harten Start in die Saison. Besonders als Outside Cornerback gelang ihm am Anfang wenig. Mittlerweile spielt das TCU-Produkt die meisten seiner Snaps im Slot. Nur in Base Defense rutscht er noch nach außen. In der neuen Rolle verbesserten sich seine Leistungen deutlich. Im Open Field ist Gladney außerdem ein beeindruckend guter Tackler.

Cornerback: A.J. Terrell (Falcons)

Beim Draft wurde die Auswahl von A.J. Terrell an der 16. Stelle von vielen als Reach betrachtet. Allerdings konnte er die Entscheidung der Falcons bis jetzt rechtfertigen. Seine 70,0 Overall Grade und 72,6 Coverage Grade sind bei PFF bisher die besten Werte unter allen Rookies. Auch sein Trend zeigt in die richtige Richtung. Schwächen hat Terrell hingegen noch in der Laufverteidigung.

Cornerback: Jaylon Johnson (Bears)

Wegen seiner geringen Scheme-Diversität war Jaylon Johnson ein eher kontroverses Prospect. Der Fit bei den Bears kommt ihm aber klar entgegen. Seine 1,13 zugelassenen Yards pro Coverage Snap sind der beste Wert aller Rookies. Besonders am Anfang der Saison beeindruckte Johnson mit seinen Leistungen. Von einem zwischenzeitlichen Durchhänger konnte er sich zuletzt wieder erholen. Gegen den Lauf ist er mit bisher vier Run Stops unauffällig.

Strong Safety: Antoine Winfield jr. (Buccaneers)

Antoine Winfield jr. ist der klassische Do-It-All Safety. In Tampa Bay setzte man den Zweitrundenpick sowohl tief als auch in der Box ein. Gegen den Lauf und als Blitzer sind Winfields Leistungen bisher mehr als ordentlich. In Coverage erlaubt sich der ehemalige Gophers Safety noch ein paar Wackler. Allerdings machte er auch hier schon wichtige Plays.

Free Safety: Julian Blackmon (Colts)

Durch die Verletzung von Malik Hooker in Woche zwei bekam Julian Blackmon seine Chance. Diese nutzte der Drittrundenpick aus Utah in beeindruckender Weise. Seine tiefe Coverage wurde im Verlauf der Saison immer besser. Doch auch gegen den Lauf weiß der Rookie bisher zu überzeugen. Besonders beeindruckend ist seine Sicherheit als Tackler im Open Field: Lediglich einen Tackle verpasste er bis zur Mid-Season Marke.

Gesamtübersicht:

Grafik von Florian Schmitt

Insgesamt ist in der Rookie Klasse bisher ein klarer Qualitätsvorsprung bei der Offense erkennbar. Zwar musste das bis zu einem gewissen Grad wegen der Umstände dieser Off-Season angenommen werden. Allerdings enttäuschten auch viele Rookies in der Defensive. Die offensive Klasse wurde ihrem Hype besonders bei den Receivern und Offensive Tackles gerecht.

Es ist zu erwarten, dass die Defense im Laufe der Saison aufholen wird. Sowieso ist es noch viel zu früh, um bei den diesjährigen Rookies aufzugeben. Bei vielen defensiven Rookies zeigte bereits in den vergangenen Wochen die Leistungskurve nach oben. Ob die Lücke jedoch vollends geschlossen werden kann, ist fraglich. Schon im Draft-Prozess sahen viele einen Vorsprung der Offense. Das scheint sich zu bestätigen.

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